Philosophie - Methode
Der Hund ist kein Wildtier mehr. Seit vielen tausenden von Jahren lebt er zusammen mit den Menschen und hat sich dem Lebensraum Mensch angepasst, so gut es eben geht. Aber trotz aller Anpassung hat er vorher einige millionen Jahre als Wildtier, als Wolf und Raubtier gelebt und trägt das Erbe dieser Zeit in sich. Viele seiner Verhaltensweisen gehen auf diese Zeit zurück. Wenn man nun mit Hunden kommunizieren will, ja sie gar verstehen möchte, muss man ein umfangreiches Wissen über die Herkunft dieser Tiere haben. Warum macht ein Hund dieses oder warum verhält er sich jetzt so - mit ein Wenig Verständnis der Ursprünge der Verhaltensmuster lassen sich viele Probleme beim Zusammenleben mit den Menschen GEWALTFREI, nur auf kommunikativer Ebene lösen.
Dem Menschen beizubringen, wie ein "Hund zu denken", zum Aufbau einer GEGENSEITIGEN Kommunikation, ist das Ziel der Hundepsychologie nach Thomas Riepe.
Merksatz:
In der Hundeschule lernt der Hund, auf Kommando mit dem Bellen aufzuhören. Beim Hundepsychologen lernt zusätzlich der Besitzer, WARUM der Hund bellt...
Aber wo liegt jetzt der Unterschied zwischen Wolf und Hund? Nun, dazu eine kurze Hintergrundinformation - Wölfe leben in Familienverbänden, die sich normalerweise aus Eltern, Welpen und manchmal noch aus Nachwuchs der Vorjahre zusammensetzen. Dieser ältere Nachwuchs hilft bei der Aufzucht der aktuellen Welpen, spielt Babysitter und besorgt Nahrung für die jungen Geschwister. Wie groß die Familien werden und wie lange der Nachwuchs im Familienverband bleibt hängt von vielen Faktoren ab - ein wichtiger Punkt ist aber die Nahrungsgrundlage im familieneigenen Revier. Ist viel Nahrung vorhanden, bleiben die Jungen länger, bei Nahrungsknappheit wandern sie früher ab um sich ein eigenes Revier und einen eigenen Partner zwecks Familiengründung zu suchen. Ein Revier kann nur eine begrenzte Anzahl von Wölfen ernähren. Wölfe sind zu Familienmitgliedern sehr sozial eingestellt, familienfremde Wölfe werden im Revier dagegen sehr ungern gesehen. Zwar gibt es hier und da auch mal „Adoptionen“ - meist in Gebieten mit üppigem Nahrungsangebot - meist werden Reviereindringlinge aber vehement vertrieben, und wenn sie nicht verschwinden wird auch Gewalt eingesetzt. Das Revier ist wichtig und wird verteidigt, markiert etc. Wölfe sind also innerfamiliär sozial und tolerant, rudelfremden Tieren gegenüber sind sie aber meist nicht sehr sozial eingestellt.
Wie sieht es nun beim Hund aus? Nun, dieser hat die Territorialität des Wolfes eindeutig geerbt. Auch er steckt die Grenzen seines Reviers durch Markierungen ab und möchte nicht unbedingt Artgenossen dort haben, weil dadurch ja seine eigenen Nahrungsressourcen gefährdet sind. Aber es ist ja für unsere Hunde vollkommen unmöglich, ein wirklich eigenes Revier zu besitzen - die Wohnung, das Haus und der Garten kann vielleicht noch vom Feind freigehalten werden - aber jeder Gassigang zeigt deutlich für unseren Hund, dass viele andere Hunde sich im Revier tummeln. Und dann begegnet man auch noch ständig anderen…
Wären die Hunde noch reine Wölfe, würden sie in einer solchen Lebenssituation wahnsinnig, ihr Drang das Revier zu verteidigen würde sie ständig mit anderen Hunden/Wölfen in einen Konflikt bringen. Hunde haben sich daran gewöhnt, sie haben eine wesentlich höhere Toleranzschwelle gegenüber Artgenossen die in „ihrem“ Revier herumlaufen als Wölfe. Hätten sie diese nicht, wäre ein Zusammenleben mit Hunden in unserer überfüllten Menschenwelt nicht möglich.
Dieses Beispiel zeigt recht gut, dass Hunde zwar noch die Territorialität des Wolfes in sich tragen (markieren etc.), diese aber dem Lebensraum beim Menschen angepasst haben und somit ihr Überleben durch Anpassung in dieser ökologischen Nische „Mensch“ sichern.
Dies ist nur ein kurzes Beispiel um meinen grundsätzlichen Ansatz zu verdeutlichen. Natürlich sind bei Hunden die territorialen Verhaltensmuster unterschiedlich stark ausgeprägt, allein schon durch Zuchtauswahl und verschiedene Aufgabengebiete. Aber der Ansatz ist klar - jeder Hund hat vom Wolf die Territorialität geerbt, nur lebt er sie auf den Lebensraum angepasst aus…
Und so sieht es beim kompletten Verhalten des Hundes aus. Alles kommt irgendwie vom Wolf - und alles ist an den neuen Lebensraum angepasst.
Ich habe mir nun die mir bekannten Verhaltensweisen von Wolf und Hund vorgenommen, deren Ursprung durchleuchtet und deren umgewandelte Formen beim Haushund. Und wenn man die Gründe für ein Verhalten kennt, und auch die Gründe für die Verhaltensänderung beim domestizierten Tier, fängt man an das Tier zu verstehen und sich in deren Wahrnehmungswelt hineinzuversetzen. Man denkt wie ein Hund…
In meinen Augen die Grundvoraussetzung Verhalten und Verhaltensprobleme (die oft keine sind, sondern nur vom Menschen so gesehen werden) zu erkennen und zu „behandeln“ - und auf dieser Grundvoraussetzung baut meine Philosophie auf: Mit Hunden kommunizieren indem ich lerne mich in Hunde hineinzuversetzen…